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Wissenschaftlicher
Werdegang
Den Hauptschwerpunkt meiner wissenschaftlichen Tätigkeit
bildet die klinische Forschung zur Verbesserung von
Diagnostik und Therapie der Risikoschwangerschaft.
Diese bestehen in erster Linie aufgrund des Symptoms
der Plazentainsuffizienz, welche zur fetalen Wachstumsretardierung
führt und eine Ursache hypertensiver Erkrankungen
in der Schwangerschaft darstellt. Dieses Kollektiv
ist für die überwiegende Zahl maternaler
Todesfälle bzw. intrauteriner Mortalität
verantwortlich; letztere bilden den größten
Anteil der perinatalen Mortalität.
Nach meinem Eintritt in die Aachener Frauenklinik
habe ich mich der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. H. Fendel
angeschlossen. Prof. Fendel hat als erster in Deutschland
die Dopplersonographie in der Materno - Fetalen Medizin
eingesetzt. Diese Methode dient der Untersuchung der
plazentaren Hämodynamik und damit indirekt der
Sauerstoffversorgung des Feten.
Die Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der klinischen
Evaluierung der Methode und hat damit wesentlich dazu
beigetragen, die Dopplersonographie als Standardmethode
zu etablieren, so dass sie heutzutage in der täglichen
klinischen Routine unentbehrlich ist.
In zahlreichen Studien habe ich zur Evaluierung der
Methode beigetragen.
Im Rahmen der methodischen Evaluierung habe wir in
einem großen Patientinnenkollektiv die periplazentaren
Blutgefäße sowohl in "continuous wave"
- als auch in "pulsed wave" - Technik untersucht
und die Ergebnisse miteinander verglichen.
Die Standardisierung der geburtshilflichen Dopplersonographie
wurde durch die Sammlung der Daten von mehr als 500
ungestörten Schwangerschaften mit unauffälliger
Geburt zur Errechnung von Normwertkurven in Form von
Perzentilen fortgesetzt. Auf der Grundlage dieser
Daten haben wir eine Grenzwertkalkulation mittels
"Receiver - Operating - Characteristics"
- Kurven für die verschiedenen Blutgefäße
durchgeführt. Unter Zuhilfenahme des Algorithmus
von England haben wir für alle gängigen
Indizes und die von uns analysierten Blutgefäße
Grenzwerte für die Einteilung in normal und pathologisch
definiert.
In mehreren Studien wurde von mir die klinische Aussagekraft
von Dopplerergebnissen bei Frühgeburtsbestrebungen/vorzeitiger
Wehentätigkeit, bei Überschreitung des errechneten
Entbindungstermins, bei fetaler Wachstumsretardierung
und bei pathologischer Verminderung der Fruchtwassermenge
überprüft. Seit Herr Prof. Dr. W. Rath die
Leitung der Aachener Frauenklinik übernommen
hat, bildet die Untersuchung hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen
und des HELLP - Syndroms einen der Schwerpunkte der
wissenschaftlichen Arbeit in unserer Klinik. In dem
Zusammenhang habe ich die klinische Aussagekraft dopplersonographischer
Untersuchungen in einem der größten Kollektive
von schwangerschaftsinduzierter Hypertonie, Präeklampsie
und HELLP - Syndrom analysiert.
Darüber hinaus wurde die Gewichtung von pathologischen
Dopplerergebnissen der einzelnen Blutgefäße
(fetal und maternal) allein und in ihrer Kombination
in ihrer Bedeutung für den weiteren Schwangerschaftsverlauf
in einem großen Patientinnenkollektiv untersucht.
Als erster wurde von mir die Bedeutung der Untersuchung
beider Nabelarterien mit einer überraschend großen
Zahl diskrepanter Befunde erkannt. Dieses Ergebnis
fand auch Eingang in die Richtlinien für geburtshilfliche
Dopplersonographie der Deutschen Gesellschaft für
Gynäkologie und Geburtshilfe.
Die Evaluierung der klinischen Aussagekraft zusätzlicher
Blutgefäße habe ich durch die Untersuchungen
über die Arteria cerebri media, die Vena hepatica
dextra und den Ductus venosus weitergeführt.
Ein zweiter Schwerpunkt meiner wissenschaftlichen
Tätigkeit bilden Untersuchungen an Mehrlingsschwangerschaften
als einem weiteren Kollektiv von Risikograviditäten.
In diesem Kollektiv ist die Rate an Plazentainsuffizienzen
mit fetaler Wachstumsretardierung und die Anzahl hypertensiver
Schwangerschaftserkrankungen höher als bei Einlingsgraviditäten.
Bei Zwillingsschwangerschaften wurden umfangreiche
Untersuchungen über die klinische Aussagekraft
verschiedener elektrophysiologischer Überwachungsverfahren
durchgeführt. Diese Ergebnisse wurden als einer
der wenigen freien Vorträge auf dem Europäischen
Perinatalkongreß 1996 in Glasgow präsentiert.
Die Aussagefähigkeit der Dopplersonographie wurde
anhand mehrerer Einzelstudien mit Untersuchung der
Aorta descendens fetalis, der Arteria umbilicalis
und der Arteria cerebri media analysiert.
Im Zusammnehang mit dem medizinisch induzierten Abort
bei Mehrlingsschwangerschaften habe ich mich mit dem
Problem der zeitlich versetzten Entbindung der Mehrlinge
befasst.
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchungen bei Mehrlingsschwangerschaften
besteht in der Analyse von Blutgefäßverbindungen
zwischen den Feten beim feto - fetalen Transfusionssyndrom.
Die Identifikation von Blutgefäßverbindungen
zwischen den Mehrlingen geschieht antepartal mittels
Dopplersonographie und postpartal mit Hilfe sogenannter
"injection studies" an der geborenen Plazenta.
Der Amplitudendoppler (Powerdoppler oder Angio-Modus)
bietet als technische Variante des Spektraldopplers
die Möglichkeit, kleine und kleinste (kapilläre)
Blutgefäße mit geringen Mengen an Erythrozyten
als Reflektoren zu visualisieren. Dadurch ist prinzipiell
die Möglichkeit gegeben, die Mikrozirkulation
nicht - invasiv und in - vivo zu untersuchen. Seit
1996 beschäftige ich mich intensiv mit der methodischen,
experimentellen und klinischen Evaluierung dieser
Methode.
In diesem Zusammenhang besteht eine Kooperation mit
Prof. Dr. H. Schmid-Schönbein und dem Institut
für Physiologie der RWTH Aachen. Das Institut
befasst sich seit vielen Jahren mit den Problemen
der Rheologie und speziell den Störungen der
Mikrozirkulation. Es wurde bereits ein Plazentamodell
mit Simulation des maternalen Blutflusses (Perkolation
des Intervillösen Raumes) analysiert.
Die Power - Dopplersonographie bietet nun die Gelegenheit,
dieses Konzept in - vitro und in - vivo zu überprüfen.
Die farbcodierten Bildsequenzen werden einer umfangreichen
Analyse im Rahmen der digitalen Bildverarbeitung unterzogen.
Dazu wurde ein spezielles Computerprogramm in Zusammenarbeit
mit dem Institut für Informatik der RWTH Aachen
entwickelt. Dies Programm ist im Laufe der Jahre kontinuierlich
ausgebaut worden und ermöglicht durch die Erstellung
von 3D - und 2D - Diagrammen sowohl eine räumliche,
flächenhafte als auch eine zeitliche Darstellungen
von Bildsequenzen. Darüber hinaus wurden eine
Reihe von Indizes zur Beschreibung und Beurteilung
der Diagramme erarbeitet. Ziel der Analyse ist vor
allem der zeitliche und örtliche Ablauf von Durchblutungsschwankungen
im Sinne einer Texturanalyse ("flow texture").
Speziell kann der Einfluss von physiologischen Taktgebern
(z.B. Herzfrequenz, Atmung) untersucht werden. In
einem zweiten Schritt können die Daten mittels
Fourier - Analysen zur Identifizierung dieser physiologischen
Taktgeber weiter untersucht werden.
Als erster Schritt in der Evaluierung dieser Methode
erfolgte eine Pilotstudie zur Beurteilung der Plazentadurchblutung
bei normalen und gestörten Schwangerschaften.
Die Ergebnisse dieser Pilotstudie wurden in meiner
Habilitationsschrift zusammengefasst. Die Studie wurde
von April 1999 für ein Jahr von der DFG (SCHM
84/16-1) und ab Dezember 1999 ebenfalls für ein
Jahr vom hochschuleigenen Förderprogramm START
(Plazenta - Perkolation 88/2000) unterstützt.
Seit 1997 besteht eine Kooperation mit Prof. Dr. T.
Noll und dem Institut für Elektrotechnik und
Datenverarbeitungssysteme der RWTH Aachen. In enger
Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern dieses Instituts
wurden die technischen Grundlagen der Power - Dopplersonographie
im Hinblick auf unsere Computeranalysen untersucht.
Im speziellen ging es hierbei zum einen um die Beeinflussung
der Ergebnisse durch die Grundeinstellungen des Ultraschallgeräts
(Verstärkung, Pulswiederholungsfrequenz, etc.)
und zum anderen durch physikalische Parameter wie
der Dämpfung von Ultraschallwellen im Gewebe
und der Beugung und Reflexion der Schallwellen an
Grenzflächen im menschlichen Körper. Im
Rahmen einer Diplomarbeit der Elektrotechnik wurde
ein Echtzeittool zur online Analyse der Powerdoppler
- Daten erarbeitet und hierdurch die offline Analyse
des Instituts für Physiologie konsequent weiterentwickelt.
Eine groß angelegte klinische Studie zur Untersuchung
der Mikrozirkulation der Plazenta mit der von uns
entwickelten Methode wurde von der DFG als förderungswürdig
beurteilt (Jo 346/1-1).
Ab Anfang 2001 haben wir eine kontrollierte, randomisierte
Studie zur Therapie der frühen Plazentainsuffizienz
begonnen. Im Rahmen der o.g. Pilotstudie konnte mit
Hilfe der Power - Dopplersonographie gezeigt werden,
dass der Blutfluss innerhalb der Plazenta durch die
intravenöse Gabe von kolloidalen Lösungen
verbessert werden kann. Diese standardisierte Hämodilution
des mütterlichen Blutes wird ergänzt durch
rheologische Analysen ("Aachen Clinical Hemorheology
Profile").
Neben diesem Hauptprojekt der Untersuchung der Mikrozirkulation
im Bereich der Plazenta erfolgen derzeit sonographische
Untersuchungen zur Gewebedurchblutung des fetalen
Gehirns und der fetalen Lunge. Dies soll im ersten
Fall die Umverteilung des Blutes mit Bevorzugung des
Gehirns nachweisen - wie in Fällen mit Plazentainsuffizienz
und fetaler Wachstumsretardierung häufig beobachtet
- und im zweiten Fall Hinweise auf die Reife und Funktionsfähigkeit
der Lunge des Ungeborenen geben. Die Ergebnisse wurden
2002 auf der 201. Tagung der Niederrheinisch-Westfälische
Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
vorgestellt und mit dem Preis der Gesellschaft ausgezeichnet.
Außerdem werden die Durchblutungsmuster von
Tumoren der Mamma und des inneren Genitale mittels
Power - Dopplersonographie zur Darstellung der Neoangiogenese
analysiert. Hierbei soll die Frage geklärt werden,
ob durch diese Daten Rückschlüsse auf die
Dignität der Tumoren möglich sind.
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